SGV Abteilung Scharnhorst

 

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 Chronik unseres Vereins

Schon Ende 1930 reifte bei den Mitgliedern des damaligen Mandolinenclubs und der Vereinigung „Freundschaft in Scharnhorst“ der Wandergedanke. Aber erst im Frühjahr 1931, als sich die mit der Natur stark verbundenen Menschen zusammenfanden, nahm der Gedanke, eine selbständige Wanderabteilung zu gründen, greifbare Formen an.

Um dem noch losen Gerippe eine feste Gestalt zu geben, kamen diese Freunde der Natur überein, sich dem Sauerländischen Gebirgsverein anzuschließen. So konnte das neue Kindlein im April 1931 der großen Familie des Sauerländischen Gebirgsverein (SGV) zugeführt werden.

Der erste Vorstand wurde gebildet von den Wanderfreunden (Wfd.):

  Nicklas als Vorsitzender

  Kreilaus als Schriftführer

  Lach als Wanderwart

Immer waren die Ziele der Abteilung das Wandern und Erwandern der näheren Umgebung und des Sauerlandes, die Pflege des Heimatgedankens und die Liebe zum Wald. Zur Erlangung dieser Ziele wurden Wanderungen durchgeführt, Verbindungen mit den Nachbarabteilungen hergestellt, die Pflege der Volks- und Heimatlieder sowie des Volkstanzes betrieben und Vorträge und Zusammenkünfte abgehalten. Um den Mitgliedern bei ihren Wanderungen im nahen Sauerland eine Möglichkeit des Schutzes und Unterkunft zu geben, trug man sich mit dem Gedanken, eine Schutz- und Wanderhütte zu bauen.

Nachdem man ein Grundstück von ca. 2.000 qm in Voßloh, Gemeinde Breckerfeld, von dem Landwirt Walter Reitz pachten konnte, nahmen alle anderen Maßnahmen ihren Lauf. Zuerst musste der Bauschein und die Ansiedlungsgenehmigung beantragt werden. Nach diesem Verfahren konnte man anfangen, das Holzhaus des Siedlers Gustav Gebenus aus Brackel, Im Buschey 38, zu zerlegen und unter größten Schwierigkeiten zum Bestimmungsort zu transportieren.

Das erwähnte Holzhaus stand in der Nähe des Heßlingsweg in Brackel und diente als Unterkunft für Hühner einer großen Hühnerfarm. Diese musste dem Bau eines Flughafens weichen. Beim Transport des Holzhauses mittels eines Pferdewagens musste das Holzhaus wegen Überbreite in den schmalen  Strassen von Wetter an der Ruhr abgeladen und getragen werden. Erst am Ende der Ortschaft wurde wieder aufgeladen. Und das alles bei Glatteis!

 

Das Fundament wurde von den Mitgliedern selbst hergestellt. Von der Zeche Gneisenau wurden 6 Fenster besorgt. Es waren alte Fenster und man bezahlte nur den Schrottpreis von 6,75 RM an die Grubenkasse. Nach mühseliger und aufopferungsvoller Vorarbeit konnte nun endlich mit der Errichtung der „Holzhütte“ begonnen werden. Die Erstellung erfolgte im Wege der Selbsthilfe unter den schwierigsten Umständen. Da der größte Teil der Mitglieder sechs Tage in der Woche den schweren Beruf des Bergmanns ausübte, blieben immer nur einige Stunden des Sonntags für den Aufbau zur Verfügung. Das Material wurde ausschließlich  mit Fahrrädern von Scharnhorst zur Baustelle in der Gemarkung „Waldbauer“ geschafft. Umso größer war natürlich die Freude aller, als am 30. August 1936 die Einweihung der Hütte vorgenommen und für die Mitglieder zur Benutzung freigegeben werden konnte.

Der SGV-Bezirk Dortmund-Ardey hatte seine angeschlossenen Abteilungen gleichzeitig zu einer Sternwanderung nach Hagen-Waldbauer aufgefordert. Groß war die Zahl der SGVer, die sich rechts der Hauptwanderstrecke 3, Hagen – Waldbauer, in der Nähe der Wirtschaft „Zur Egge“ einfanden, um an der Weihefeier teilzunehmen.

Nach einem Einleitungsmarsch der Musikgruppe der Abteilung Scharnhorst hieß Abteilungsleiter Schnier die Erschienenen auf das herzlichste Willkommen und dankte vor allem den Wanderfreunden, die sich an der Errichtung der Hütte tatkräftig beteiligt haben. Es wurden Gedichte vorgetragen, die Musikgruppe spielte, Volkstänze wurden vorgeführt und gemeinsam wurde das Lied „O du schönes Sauerland“ gesungen.

Nach einer Ansprache des Bezirksführers W. Krahn weihte der Hauptdietwart (Volkstumwart), Studienrat Grabowski aus Hagen, die Hütte ein. Der Vorsitzende des Hauptvereins, Regierungsvizepräsident Dr. Dellenbusch, konnte leider nicht persönlich erscheinen. Nach etlichen Glückwünschen anderer Abteilungen wurde das neue Heim besichtigt. In der Gastwirtschaft "Zur Egge“ fand im Anschluss daran noch ein gemütliches Beisammensein statt.

Die ersten sechzehn eisernen Bettgestelle wurden zum Schrottpreis von 28,80 RM aus dem Ledigenheim (Bullenkloster) der Zeche Gneisenau besorgt.

Viele Mitglieder verbrachten nun an diesem schönen Ort mit ihren Angehörigen ihren Urlaub. Es gab kein fließendes Wasser, und die Toilette befand sich außerhalb des Hauses (Donnerbalken). Das Wasser wurde mit Kannen und Kübeln von einer Quelle den Berg heraufgeschafft. Waschen und Zähne putzen fand am Bach statt.

 

 

 

Die Urkunde zur Grundsteinlegung wurde von der Wanderfreundin Lisbeth Schröter verfasst.

Sie hat folgenden Inhalt:

Urkunde der SGV Abteilung Dortmund-Scharnhorst

Es wurde im Juli 1935 von dem genannten Verein diese Hütte errichtet. Das Fundament wurde unter großer Mühe von den Mitgliedern selbst hergestellt. Auch der Transport der Hütte vom Brackeler Buschey wurde im Februar 1935 unter ganz großen Schwierigkeiten, bei Glatteis am Kettelbach, vollzogen. Nun wolle Gott, dass die Hütte stets vor Gefahr und Ungewitter bewahrt bleibe und uns SGVern eine gute Obhut sei, dass stets Liebe, Treue und Eintracht walte.

Auf das dies Haus gut werde, versenken wir diese Urkunde in die Erde.

Waldbauer zur Mittagszeit unter den zwei Kastanien,

im Juli 1935

mit einem „Frisch auf“

 

Im Sommer 1942 wurde die Hütte durch Verfügung des Amtes Breckerfeld mit zwei ausgebombten Familien aus Bochum belegt. Dadurch wurde den Mitgliedern die Nutzung entzogen. Obwohl durch die Nähe der Stadt Hagen in großer Menge Brandbomben an der Hütte fielen, die naheste etwa einen halben Meter vom Gebäude entfernt, blieb sie von direkten Kriegseinwirkungen verschont.

Nach Beendigung des Krieges wurde mit allen Mitteln, die dem Vorstand zur Verfügung standen, die Freigabe der Hütte angestrebt. Im Sommer war das Ziel erreicht. Mit Eifer ging es an die Renovierung. Die Freude war jedoch sehr kurz, denn schon gegen Ende des Sommers 1946 war sie erneut mit Ostflüchtlingen belegt. Alle Versuche, die Hütte frei zu bekommen, blieben erfolglos.

Am 30. November 1946 erhielt der Verein von seinem Mitglied Gastwirt Ernst Tempelmann (Egge) die niederschmetternde Nachricht, dass die Hütte am 28. November in den Vormittagsstunden mitsamt dem Inventar bis auf die Grundmauern abgebrannt war. Das war der schwerste Schlag, der so kurz nach dem Krieg unsere im Aufbau befindliche Abteilung treffen konnte.

In der im Dezember 1946 abgehaltenen Mitgliederversammlung wurde einstimmig folgender Entschluss gefasst: Das Wanderheim wird wieder aufgebaut!

Vorgabe für den Aufbau war außerdem, dass man auf eigenen Grund und Boden bauen wollte. Hierzu war es vorteilhaft und notwendig, dass die Abteilung ein eingetragener Verein am Amtsgericht wurde. Das Grundstück, welches bislang nur gepachtet war, konnte Dank großzügiger Unterstützung des Besitzers käuflich erworben werden und war damit Eigentum der Abteilung.

Weiterhin wurden eine massive Bauweise und die Bildung eines Bauausschusses beschlossen. Dieser arbeitete Hand in Hand mit dem Vorstand. Nach Erledigung der Planung, Materialbeschaffung usw. konnte bereits Anfang April 1947 der erste Lastzug mit Material gestartet werden. In mühe- und aufopferungsvoller Arbeit von verhältnismäßig wenigen Mitgliedern wurde bereits am 1. Mai 1947 der Grundstein gelegt. Die Idealisten begaben sich nun an jedem freien verfügbaren Tag in uneigennütziger Weise an die weitere Arbeit des Wiederaufbaus. Es wurde berichtet, dass die meisten Ziegelsteine zum Bau der Hütte aus Trümmergrundstücken des zu 90 % zerstörten Vorortes Dortmund-Scharnhorst (Ziel der Bombenangriffe war die dicht an Scharnhorst gelegene Benzin-Fabrik „Hoesch-Benzin“) stammten. Wer mit dem Fahrrad zum Arbeiten zur Hütte fuhr, wurde gebeten 4-5 Ziegelsteine mitzunehmen!

Dank dieses Einsatzes der wenigen Aktivisten nahm das begonnene Werk, trotz der damals bestehenden Schwierigkeiten wie Materialbeschaffung, Transport, Verpflegung, Schuhwerk usw. seinen Fortgang. Dann kam die Währungsreform, die mit einem Schlag  alles stillsetzte. Unglücklicherweise war uns das vom SGV-Hauptverein bewilligte Darlehn einen Tag vor dem „Tag X“ erst ausbezahlt worden, so dass dieses Geld für die Abteilung keinen großen Wert mehr hatte. Erfreulicherweise stockte die Bautätigkeit jedoch nur kurze Zeit. Wieder zeigten sich Idealisten am Werk. Durch zinslose Gewährung von kleineren Darlehen griffen sie der Bau- und Abteilungskasse helfend unter die Arme. Mit dieser uneigennützigen Hilfe war es dann möglich geworden, am 11. Juli 1948 das Richtfest im bescheidenen Maße zu feiern. Um das Heim aber noch vor Winterbeginn unter Dach zu bekommen, reichte das vorhandene Geld nicht. Es kam zu einem Versammlungsbeschluss, dass eine Hüttenumlage von 10,00 DM je Mitglied (gestaffelt nach Jahresbeitragssätzen) erhoben wird. Verfügte die Kasse dadurch zwar über etwas Geld, so scheiterte doch so manches Vorhaben an den hohen Kosten. Ein an den SGV-Hauptverein gestellter Antrag auf ein neuerliches Darlehn wurde abschlägig beschieden. Wir wurden auf die kommende Hauptversammlung vertröstet. Alle Bemühungen, die finanzielle Lage der Abteilung zu verbessern, blieben erfolglos. Aber trotz aller Widerwärtigkeiten kam der Bau unter Dach. Die Adventfeiern beendete für 1948 die Hüttenbautätigkeit.

Den eifrigen Mitgliedern der SGV-Abteilung Scharnhorst konnte schon im Frühjahr 1949 nicht entgehen, dass sich der Abteilungsvorstand etwas Besonderes vorgenommen hatte. Alle Anzeichen des Abteilungslebens deuteten auf ein außergewöhnliches Ereignis hin. Überall stieß man auf Spuren emsiger Arbeit. Es wurden interne Besprechungen abgehalten und der Vorsitzende spornte immer wieder die Mitglieder zur Mithilfe am Wiederaufbau der abgebrannten Hütte an, während der Schriftführer versuchte, durch Hinweise in den Nachrichtenblättern die letzten Reserven und Kräfte bei den Wanderfreunden für die Vollendung des Werkes zu wecken. Als gar im Juni 1949 im Aushängekasten der Abteilung das Datum 17. Juli 1949 mit einem großen Fragezeichen darunter veröffentlicht wurde war die Spannung bei den Mitgliedern aufs Äußerste gestiegen.

 

Jawohl, es tat sich was in der Abteilung Scharnhorst des Sauerländischen Gebirgsvereins. Aber erst die Versammlung am Sonntag, dem 3. Juli 1949, löste die Spannung und brachte Licht in das bisherige Dunkel. Das wiedererstandene neue Heim soll am Sonntag, dem 17. Juli 1949, durch eine feierliche Einweihung seiner Bestimmung übergeben werden. In rund 12.000 Arbeitsstunden wurde schließlich die neue „Hütte“ fertig gestellt.

Heimeinweihung: Ein Fest, aber auch zugleich ein beglückendes und immer wieder arbeitsbejahendes, dankbares Symbol für alle Mitglieder der Abteilung. Besonders aber für alle diejenigen, die tatkräftig am Wiederaufbau des Heimes mitgeholfen hatten.

Nun galt es die letzten Anstrengungen zu machen, um das neue Heim und das umliegende Gelände würdig herzurichten. Sollte doch alles vor den Augen der vielen Kritiker bestehen können. Schon Tage vor dem Einweihungstermin waren einige Wanderfreundinnen und  -freunde zum Wanderheim gefahren, um diese Arbeiten durchzuführen.

So kam der mit äußerster Spannung erwartete Sonntag heran, an dem das Wetter nicht gerade verheißungsvoll zu werden schien. Um all die Teilnehmer zu dem Einweihungsplatz am Ort der Handlung bei Hagen-Waldbauer bringen zu können, die Feier hatte sich mittlerweile schon zu einem Lokalereignis ausgeweitet, wurden zwei Autobusse mit Anhänger eingesetzt. So war es jedem möglich, auf angenehme und bequeme Weise bis in die unmittelbare Nähe des Heimes zu gelangen. Zahlreiche Jugendliche hatten sich frühzeitig auf ihre Fahrräder geschwungen und trafen noch vor dem Gros der Teilnehmer am Festplatz ein. Gar mancher dürfte dabei erstaunt gewesen sein, als er hörte, dass junge Wanderer anderer SGV-Abteilungen bereits tags zuvor angekommen waren und in unmittelbarer Nähe des Heimes gezeltet hatten. So herrschte schon am frühen Sonntagmorgen vor dem Heim und im Gelände ein reges Treiben, das seinen Höhepunkt erreichte, als die Autobusse mit den Scharnhorster SGVern und aus allen Richtungen die Wanderfreunde der eingeladenen Abteilungen, teilweise nach langem Anmarschweg, eintrafen.

Alle befanden sich in bester Stimmung, zumal die Scharnhorster SGVerinnen allen eine Tasse guten Bohnenkaffee und Kuchen gegen ein geringes Entgelt anboten. Da auch Petrus zeitweilig etwas Sonnenschein hernieder sandte, hatte sich im Laufe des Vormittag am Treffpunkt ein lustiges Wandervolk eingefunden.

Als dann der Vorsitzende der Abteilung Scharnhorst, Wdf. Gustav Trippe, um 14:00 Uhr das Zeichen des gemeinsamen Abmarsches zum neuen Heim gab, da waren es etwa 400 (!) Heimat- und Naturliebende Menschen, die sich zu dem feierlichen Einweihungsakt eingefunden hatten.Mit Wandermelodien, gespielt von Scharnhorster Gitarren- und Mandolinenspielern, ging es mit dem Abteilungswimpel voran im langen Zug zum Heimplatz hinunter.

Das neue Haus selbst war von außen mit frischem Birkengrün und durch eine sich über die ganze Front hinziehende Tannengirlande geschmückt. Zu beiden Seiten des Hauses und an der Böschung des Vorplatzes wehten die grünweißen Fahnen des SGV lustig im Winde. Die Böschung zierte ein von Blüten des Fingerhuts umsäumter Teppich aus frischen Tannenspitzen, der den Hintergrund bildete für die mit roten Holunderbeeren ausgeführten drei Buchstaben  S G V und für den in Fingerhutblüten Wandergruß  

„ Frisch Auf „

In all den vielen Jahren wurde die „Hütte“ (so wird das Wanderheim liebevoll genannt) immer wieder verändert. Die Veranda wurde angebaut, das Dach wurde ausgebaut. Ein Schlafraum im Erdgeschoss musste einer Küche weichen und zur Zeit entsteht auch noch ein Duschraum. Von der „Karl-Hermann-Quelle“ (Karl Schnier, Hermann Stölting) wurde eine Wasserleitung (ca 200 m) verlegt. Heute versorgt ein 60 m tiefes Brunnenloch die Hütte mit kristallklarem Wasser. Es wurde ein Gasheizung eingebaut. Das Umfeld wurde neu gestaltet. Für Kinder wurde ein Spielplatz errichtet. Ein Grillplatz entstand und für Arbeitsgeräte und Materialien wurde eigens eine wunderbare Holzhütte errichtet.

 

Das Wanderheim „Karl Potthoff“ ist der Stolz aller Scharnhorster SGVer.

 

 

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